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Journal Frankfurt:

Foto und Text: Detlef Kinsler

Lebenszeichen aus der Brotfabrik

Die Idee, Musik in einem „Wintergarten“ anzubieten, konnte nicht realisiert werden. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. In Hausen werden neue Formate ersonnen. Im Gespräch berichtet Geschäftsführerin Antje te Brake, wie die Brotfabrik Corona-tauglich gemacht wird.

JOURNAL FRANKFURT: Erst kürzlich gab es ein Lebenszeichen aus der Brotfabrik. Kick La Luna spielten ein Konzert vor knapp dreißig Besucher:innen vor Ort und übertrugen den Auftritt für all die anderen treuen Fans via Stream in die heimischen Wohnzimmer.
Antje te Brake: Ja, es gab ein Konzert mit den „Kicks“, der Frauenband Kick la Luna, das auch live gestreamt wurde, und das man sich bald auch noch auf der Seite der Band anschauen kann. Dann gab es eine Show „Fee vs. Cönig“ im September bei uns im Saal, ein Gesprächscafé zum Antikriegstag mit der VVN und zwei Abende mit Konzerten von Emirsian, Akua Naru und Sarah Lesch im Rahmen der Kultur-Sommergärten der Stadt Frankfurt auf dem Parkplatz neben dem Club Das Bett.

Im Sommer hat der Verein Kulturprojekt 21 e.V., der das Kulturprogramm in der Brotfabrik verantwortet, einen neuen Vorstand gewählt. Dieser sucht jetzt vorrangig nach Möglichkeiten, das Überleben des Projektes zu sichern, so heißt es in Hausen.
Seither ist wieder viel Zeit vergangen. In der Zwischenzeit haben wir weitere Anträge auf Fördermittel gestellt, uns den Kopf zerbrochen, wie unsere Programmarbeit in den nächsten Monaten aussehen kann, und, ja, wir haben – siehe oben – tatsächlich auch ein paar wenige Veranstaltungen durchgeführt. Das ist nicht viel für zwei Monate, allein im Oktober hätten bei uns in „normalen Zeiten“ zehn bis zwölf Konzerte stattgefunden, Clubnächte und vielleicht noch ein zwei Lesungen on top. Nun sind dies aber keine normalen Zeiten, und leider ist auch noch kein Ende der Pandemie abzusehen.

Was heißt das konkret für das Programm der Brotfabrik?
Wir haben uns entschlossen, bis Jahresende keine Veranstaltungen mehr durchzuführen – zumindest für den November sind sie ja nun ohnehin wieder untersagt. Auch die Idee, im Dezember einen „Wintergarten“ im Hof mit Open-Air-Konzerten, Lesungen, Poetry Slams usw. zu organisieren, haben wir verworfen. Zu groß wäre die Unsicherheit, die neben den sich ständig ändernden Auflagen noch durch das Winterwetter da gewesen wäre. Wenn jetzt jemand sagt: ‚Och, schade, und ich hätt‘ gern mal ein Open-Air-Konzert im Winter besucht!‘, dann schreiben Sie uns das an kontakt@brotfabrik.de. Ihr Feedback ist wichtig für uns – würde da überhaupt jemand kommen? – und vielleicht klappt es ja dann Anfang des nächsten Jahres.

Apropos nächstes Jahr ...
Noch ist ja unklar, ob unser normales Konzertprogramm im Januar wieder losgehen kann. Aber wir planen gerade zusätzlich eine Veranstaltungsreihe zu den 17 Zielen für Nachhaltige Entwicklung der UN. Frieden, Klimaschutz, Geschlechtergleichheit, Nachhaltiger Konsum und Produktion – das alles sind Themen, die uns wichtig sind und die wir gern aufgreifen wollen – in kleinen, „Corona-tauglichen“ Formaten sozusagen.

Und es gab ja auch bauliche Maßnahmen ...
Wir haben in den vergangenen Wochen nicht nur über Anträgen gebrütet und uns den Kopf über nötige Schutzmaßnahmen und mögliche Formate zerbrochen, sondern auch ganz handfest was auf die Beine gestellt hier bei uns in der Brotfabrik: So haben wir zum einen unsere Theke für den Getränkeausschank verbreitert, um auch hier Abstandsregeln besser einhalten zu können. Zum anderen haben wir jetzt eine neue Backstage-Treppe, die eben nicht mehr ausschließlich Backstage-Treppe ist, sondern ab sofort auch als Ausgang dienen kann. So können die Gäste jetzt im Einbahnstraßen-System über die gewohnte Eingangstreppe in den Saal hoch gehen und über die neue Treppe wieder hinaus. Das war in unserem zwar sehr schönen, aber nicht eben Pandemie-tauglichen Gebäude schlicht nicht anders zu lösen. Abgesehen davon, freuen sich auch unsere Techniker und sicher auch die Musiker:innen, da die Treppe deutlich breiter ist als die bisherige und das Hochschleppen von Instrumenten und anderem sperrigem Equipment jetzt viel einfacher ist.

Gibt es dafür finanzielle Unterstützung?
Glücklicherweise können wir uns über gleich zwei Zusagen für Fördermittel freuen, von denen wir unter anderrem die Treppe haben bauen lassen. Denn die ganzen notwendigen Maßnahmen kosten viel Geld – aus eigener Tasche könnten wir das nicht stemmen. Deshalb: Halten Sie uns weiter die Treue, auch wenn wir Ihnen vorerst kein Programm anbieten können. Wir tun alles dafür, dass wir uns bald wiedersehen können hier bei uns in der Brotfabrik. Wenn es soweit ist, gibt es natürlich alle nötigen Infos über unseren Newsletter, unsere Website und unsere facebook-Seite. Bis dahin gilt: gesund bleiben, Musik hören und nicht unterkriegen lassen! Und wer ein Zeichen setzen möchte für die Wichtigkeit der Kulturbranche und die lokalen Kulturveranstalter, der kann am Samstag, den 14. November um 16 Uhr an die Bockenheimer Warte kommen, um mit uns und der Initiative Alarmstufe Rot auf die dramatische Situation der Branche und ihrer Beschäftigten aufmerksam zu machen. Das wäre eine tolle Unterstützung.

 

4. November 2020, 11.47 Uhr

Detlef Kinsler

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